Fernsehdramaturgie
Eine gelungene Fernsehdramaturgie reagiert auf die Anforderungen der Zuschauer an Spannung, Abwechslung, Folgerichtigkeit und Verlässlichkeit in der Information und befähigt sie gleichzeitig, selbst zu angemessenen Einschätzungen zu gelangen und sich in der alltäglichen Lebensrealität zu orientieren und zu (inter)agieren.
Als mögliche Arbeitsinhalte für Redaktionen und Autoren bieten sich hier an:
Sendungsdramaturgie - Magazine und Doku-Formate
- Erlebenslogik, Formenvariation, Steigerung -
Wenn Redaktionen ihren Sendeplatz mit Kriterien der dokumentarischen Dramaturgie betrachten, erschließt sich das gesamte Erlebens- und Informationspotenzial geplanter und präsentierter Stoffe. Bei Magazinsendungen kann man so alle Sendungselemente (Intro, Moderation, Live-Teile, Filme usw.) dramaturgisch auf die spezifischen Inhalte und auf die Darstellungsmöglichkeiten des Sendeplatzes ausrichten. Mit den dramaturgischen Werkzeugen Erlebenslogik, Variation und Polaritätslogik lässt sich für jedes Magazin eine unverwechselbare, Aufmerksamkeit schaffende Form herausarbeiten. Bei sendeplatzfüllenden Filmformaten lassen sich erzählerische, inhaltliche und gestalterische Anforderungen klarer definieren. Eine Redaktion kann auf diese Weise dem Publikum hohe Informationsdichte mit hohem Unterhaltungswert bieten.
Arbeitsformen: Analyse, Redaktionscoaching, Moderationscoaching, Projektberatung, Seminar, Training
Sendeplatzdramaturgie
- Zuschauereinstellung, Programmumfeld, Erlebenstypen, Erlebens- und Verstehensziel, Sendeplatzelemente, Kommunikationspsychologie -
Ein Sendeplatz muss sich innerhalb des eigenen Hauses und gegen zeitgleich konkurrierende Programme behaupten. Redakteure und Programmverantwortliche können die notwendigen Entscheidungen leichter treffen, wenn sie außer den Daten der Fernsehforschung und dem „Was Zuschauer wollen“ auch dramaturgische Kriterien, kommunikationspsychologische Aspekte und Ergebnisse der Wahrnehmungsforschung in strukturelle und gestalterische Überlegungen mit einbeziehen können.
Arbeitsformen: Sendeplatzcoaching, Analyse, Training, Projektberatung
Dokumentarische Filmdramaturgie
- Erzählsatz, Polaritätslogik, Rote Fäden -
Die wenigsten dokumentarischen Informationen – noch nicht mal die aus dem Sport - sind von sich aus bereits spannend. Redakteure und Autoren können mit Hilfe der Werkzeuge der dokumentarischen Dramaturgie erkennen, auf welche Weise sich die fundamentalen Bedürfnisse der Zuschauer nach Spannung, Abwechslung, Folgerichtigkeit und Verlässlichkeit der Information und des Erzählverlaufs erfüllen lassen. Die Begriffe der dokumentarischen Dramaturgie ermöglichen konkrete und sichere Kommunikation und Argumentation. Die dokumentarischen Filme einer Redaktion erhalten mehr Informationsdichte und Erzählkraft. Die dramaturgischen Werkzeuge Erzählsatz, Polaritätslogik und Rote Fäden erleichtern es Filme zu machen, die Zuschauer dokumentarische Inhalte miterleben und zugleich verstehen lassen.
Arbeitsformen: Seminar, Training, Analyse, Projektberatung, Redaktionscoaching
Moderation und Moderationsfigur
- Dramaturgie der Moderation, Polaritätslogik, Beitrags- und Sendungsmoderation, Gesprächsführung, Moderationsfigur -
In Magazinsendungen darf die Zusammenstellung der Sendungselemente nicht zufällig wirken. Ihre Reihenfolge muss durch die Moderation Spannung, Richtung und Sinn bekommen, so dass alle Elemente der Sendung zu einem Ganzen werden. Bereits durch bloße Anwesenheit, und definiert durch Verhalten, Tonfall und Sprache, schafft ein Moderator immer eine von ihm als Person unterschiedene, vom Zuschauer aber ausschließlich wahrgenommene Figur, die Moderationsfigur. Die Moderationsfigur ist – ähnlich wie die Textperson – eine Rolle, die reflektiert und absichtlich gestaltet werden muss, damit sie nicht unversehens die Authentizität der Darstellung in der Sendung behindert. Denn es ist nicht der Moderator als Person, sondern seine Rolle, die das Publikum einschätzt. Mit dem Instrument der Moderationsfigur gewinnen Moderatoren und Redaktion ein Schlüssel-Instrument für die Kritik, für frische Moderationsideen und für das Casting.
Arbeitsformen: Analyse, Seminar, Training, Coaching, Begleitcoaching
Präsentation und Präsenterfigur
- Dramaturgie von Präsenter-Formaten, Steigerung, Präsenter-Situation -
Präsenterformate verlangen – anders als eine Magazinsendung – eine auf den Sendungsinhalt direkt bezogene authentische Auftritts-Situation des Präsenters und eine Entwicklung des Präsenters im Sendungsverlauf. Präsenter sind für das Publikum deshalb attraktiv, weil man ihnen beim Klügerwerden zuschauen kann. Sie sind aber nicht automatisch aufgrund ihrer – in manchen Fällen vorhandenen – Prominenz bereits in der Sendung authentisch. Die Authentizität muss für die Rolle erst entwickelt werden. Durch die Kenntnis dramaturgischer Kriterien steuern Präsenter und Redaktion die Präsenterfigur durch die filmische Situation, durch die Texte, die Requisiten und die Aktion. Denn jedes dieser Elemente sollte die Präsenterfigur in ihrer Überzeugungskraft stützen. Die dramaturgisch wirksame Präsenterfigur ist eine Rolle, die für die jeweilige Sendung gefunden und definiert werden muss.
Arbeitsformen: Analyse, Seminar, Training, Coaching, Begleitcoaching
Live-Reporter und Reporterfigur
- Dramaturgie des Live-Reporter-Formats, Plausibilität, Gesprächsführung, Reporter-Situation, Reporterfigur -
Live-Reporter-Auftritte ziehen als Sendungsteile von Magazinen das Publikum aus dem Studio ins zeitgleiche unmittelbare Miterleben. Weil der Live-Reporter – anders als der Moderator – mitten im Geschehen auftritt, macht sich das Publikum unwillkürlich eine Vorstellung von seiner Kompetenz, der Plausibilität seiner Situation und der Sinnhaftigkeit seiner Gesprächsführung. Live-Reporter treten nicht als Privatperson auf, sondern in einer Rolle, die durch dramaturgische Überlegungen definiert und gesteuert werden sollte. An jedem einzelnen Element des Reporter-Auftritts – Übergang vom Studio zum Reporter, Reporterpräsenz am Drehort, Rückgabe ins Studio – kann die Redaktion dramaturgische Kriterien und Regeln nutzen, um mehr Spannung und Plausibilität zu erzeugen. Moderatoren, Studioregie und die Kamera am Drehort können das Miterleben des Publikums kräftigen.
Arbeitsformen: Analyse, Seminar, Training, Coaching, Begleitcoaching
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