Dokumentarischer Film
Der dokumentarische Film bezeichnet diejenigen Film- und Fernsehformen, die sich ausschließlich aus recherchierten Fakten speisen und zur Darstellung dieser Fakten dienen.
Dokumentarischer Film bildet keine Fakten ab und schafft keine Kopie der Realität. Er schafft eine dramaturgisch gestaltete eigene filmische Wirklichkeit und muss seine Gestaltung und Aussage immer an recherchierter (Lebens)Realität prüfen lassen.
Dokumentarischer Film muss alle filmischen Darstellungsebenen und Gestaltungsmittel nutzen, um den Zuschauern einen überprüfbaren inhaltsrichtigen Zugang zur dargestellten Realität zu ermöglichen.
Als mögliche Arbeitsinhalte für Redaktionen und Autoren bieten sich hier an:
Dokumentarische Filmdramaturgie
- Erzählsatz, Polaritätslogik, Rote Fäde -
Die wenigsten dokumentarischen Informationen – noch nicht mal die aus dem Sport - sind von sich aus bereits spannend. Redakteure und Autoren können mit Hilfe der Werkzeuge der dokumentarischen Dramaturgie erkennen, auf welche Weise sich die fundamentalen Bedürfnisse der Zuschauer nach Spannung, Abwechslung, Folgerichtigkeit und Verlässlichkeit der Information und des Erzählverlaufs erfüllen lassen. Die Begriffe der dokumentarischen Dramaturgie ermöglichen konkrete und sichere Kommunikation und Argumentation. Die dokumentarischen Filme einer Redaktion erhalten mehr Informationsdichte und Erzählkraft. Die dramaturgischen Werkzeuge Erzählsatz, Polaritätslogik und Rote Fäden erleichtern es Filme zu machen, die Zuschauer dokumentarische Inhalte miterleben und zugleich verstehen lassen.
Arbeitsformen: Seminar, Training, Analyse, Projektberatung, Redaktionscoaching
Filmtext: Grundlagen
- Steuerung, Kontrast, Faktenauswahl, Rote Fäden -
Bei dokumentarischen Filmen genießen es die Zuschauer, vom Filmtext auf variantenreichen Wegen durch den Inhalt geführt zu werden. Wenn Autoren und Redakteure die grundsätzlichen und konkreten Wirkungen von Filmtexten (er)kennen, können sie eine kompetente und unterhaltsame Wahrnehmungssteuerung für ihre Filme schaffen. Mit Hilfe von textdramaturgischen Werkzeugen gelingt leichter eine verbindliche und attraktive Erzählweise, die Varianz der Erzählweisen lässt sich erhöhen, der einzelne Film erhält mehr Erlebensdimensionen, ohne dass ein Autor seinen eigenen Stil verliert. Gleichzeitig wird das Gespräch über die Aufgabe des Filmtextes und seine konkrete Wirkung bei der Planung, der filmischen Abnahme und der Endabnahme genau und konstruktiv.
Arbeitsformen: Seminar, Training, Analyse, Coaching, Begleitcoaching
Filmtext: Die Textperson
- Der definierte Erzähler, Textperson-Typen, Aufbau, Sprecherauswahl -
Der Filmtext wird – beabsichtigt oder nicht – vom Zuschauer spontan als eine bestimmte, erzählende Person wahrgenommen. Dieser Filmerzähler muss (und sollte) kein Zufallsprodukt sein; Autoren und Redakteure können lernen die Textperson zu definieren und als Werkzeug zur Steuerung der Zuschaueraufmerksamkeit einzusetzen. Eine konsequent über die Filmlänge geführte Textperson kann die Spannung verstärken, die Kompetenz erhöhen und die Erlebnistiefe steigern. Mit ihr lässt sich die Haltung eines Films handwerklich steuern und die oft geforderte eigene Handschrift tatsächlich für das Publikum zu einem kontrollierbaren Gewinn machen. Durch eine spezifische, für den jeweiligen Film konzipierte Rollensoziografie, durch Typenauswahl und Kontrastierung der Textperson erreicht der Filmtext mehr Konsistenz und Plausibilität. Gleichzeitig ist die Textperson ein hilfreiches Mittel bei der Textredaktion und ein wichtiges Kriterium für die Sprecherauswahl.
Arbeitsformen: Seminar, Training, Analyse, Coaching, Begleitcoaching, Projektberatung
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